Materialien zum Unterricht

Myas Welt der Physik: Achtung, Mya ist geladen! – Elektrische Ladung und Strom

Es knistert bei Mya. Seit Paul im Bad die neue Abwasserleitung verlegt hat, liegt im Flur ein Reststück graues HT-Rohr, DN 50. Kater Erwin hat es sofort zu seinem Lieblingsmöbel erklärt: Morgens, mittags und abends reibt er sich daran, schnurrt wie ein Rasenmäher und sieht danach aus wie eine explodierte Pusteblume. Und jedes Mal, wenn Mya ihn streichelt, gibt es einen kleinen Blitz an ihrer Nasenspitze. „Schluss mit dem Geknister, das wird jetzt erforscht!“ (Erwin findet das Geknister übrigens super.) Theo und Paul sind wieder als Laborassistenten dabei. Dazu kommen Flocke und ihre Cousine Fussel: zwei winzige Holundermarkkugeln, die Theo mit Graphitspray leitfähig gemacht hat. Lumi ist als Lichtfleck völlig ungeladen und schaut gelassen zu.

Physik Klasse 11 (Leistungskurs). Die Sprüche sind albern, die Zahlen nicht: Kräfte werden mit dem coulombschen Gesetz gerechnet, k = 1/(4πε0) = 8,99 · 109 N·m²/C², e = 1,602 · 10−19 C. Ladungen messen wir meist in Nanocoulomb: 1 nC = 10−9 C. Mit Profi markierte Teile gehen etwas weiter. Weiter geht es auf den Seiten Elektrische Felder und Kondensatoren.

Myas Sicherheitsregel: Reibungselektrizität zwickt nur. Hochspannungsnetzgeräte aus der Schule dagegen nur mit Lehrkraft benutzen! Und Kater Erwin nie absichtlich aufladen. Er merkt sich so was. (Das Aufladen erledigt er ohnehin selbst, am Abwasserrohr.)

Station 1: Die Reibe-Werkstatt – Eigenschaften ruhender Ladungen

Links wird gerieben, rechts hängen Flocke und Fussel an dünnen Fäden (Länge 12 cm, je 0,05 g). Reibe zwei Dinge aneinander und tippe dann mit einem davon eine der Kugeln an. Beim Reiben wandern Elektronen von einem Körper auf den anderen. Wer Elektronen dazubekommt, ist danach negativ, wer welche abgibt, positiv. Mit dem Schieberegler hält Theo den ersten Gegenstand (Stab, Ballon …) an die Kugeln heran, ohne sie zu berühren.

Flocke–
Fussel–
Abstand r–
Coulombkraft–
Was wird gerieben?
Antippen
weg

Forschungsaufträge: ① Gib beiden Kugeln Ladung vom selben Gegenstand. Was passiert? ② Lade Flocke mit A und Fussel mit B. Und jetzt? ③ Entlade alles und halte nur den geriebenen Stab an die ungeladenen Kugeln heran. Erkläre, was du siehst. ④ Reibe mit dem Kupferrohr. Wo bleibt die Ladung? ⑤ Lass Erwin sich am Abwasserrohr reiben. Finde nur mit Flocke und Fussel heraus, welches Vorzeichen Erwin danach hat.

Station 2: Der Coulomb-Messplatz – wie stark ist die Kraft?

Mya will es genau wissen. Theos Kugel sitzt auf einem empfindlichen Kraftsensor, Pauls Kugel steht auf einem Schlitten mit Maßstab (beide Kugeln: Radius 1,5 cm). Mya lädt beide am Hochspannungsnetzgerät auf und kontrolliert die Ladung mit dem Ladungsmessgerät. Ziehe Pauls Kugel hin und her, ändere die Ladungen und notiere Messwerte. Wie hängt die Kraft F vom Abstand r der Kugelmitten und von den Ladungen Q1, Q2 ab?

Abstand r–
Q1 · Q2–
Kraftsensor–
Wirkung–

Messtabelle

Nr.r in cmQ1 in nCQ2 in nCF in mN

Noch keine Messung. Tippe auf „Notieren“.

Diagramm:

Theos Kugel (auf dem Sensor)
20 nC
Pauls Kugel (auf dem Schlitten)
20 nC
10,0 cm

Aufträge: ① Halte Q1 und Q2 fest und miss bei 5, 10, 15 und 20 cm. Zeichne F über r und über 1/r². ② Halte r fest und verändere die Ladungen. ③ Bestimme aus der Geraden k und ε0. ④ Knacke die Rätselkugel.

Der Kraftsensor misst auf etwa 1 % genau. Die Kugeln verhalten sich wie Punktladungen in ihren Mittelpunkten, solange sie nicht zu dicht beieinander sind.

Station 3: Flockes Pendel-Express – elektrischer Strom

Elektrischer Strom ist nichts anderes als bewegte Ladung. Das zeigt Flocke jetzt ganz wörtlich: Sie hängt an einem 1 m langen Faden zwischen zwei Metallplatten, die an einem Hochspannungsnetzgerät hängen (für diesen Versuch hat Theo sie auf Tischtennisball-Größe aufgepäppelt: Radius 1,5 cm, Masse 0,4 g). Berührt sie die Plusplatte, nimmt sie positive Ladung mit, wird abgestoßen und fliegt zur Minusplatte. Dort gibt sie die Ladung ab, wird negativ, und zurück geht's. Ein Messverstärker in der Zuleitung zeigt, wie viel Ladung pro Sekunde fließt: die Stromstärke I = ΔQ / Δt.

Feldstärke E–
Ladung je Fahrt–
Fahrten pro s–
Stromstärke I–
Stoppuhr–

Messtabelle

Nr.U in kVd in cmFahrtenQ in nCt in sI in nA

Noch keine Messung. Starte eine 10-Sekunden-Messung.

Hochspannungsnetzgerät
5,0 kV
10 cm
Messen

Aufträge: ① Miss die Stromstärke bei 4 kV und bei 8 kV. Wie ändert sie sich, wenn U doppelt so groß ist? (Achtung: Es ist nicht das Doppelte!) ② Erkläre mit I = q · n / t, woran das liegt. ③ Bei welcher Spannung bleibt Flocke stecken?

Station 4: Das Elektronen-Schneckenrennen – Strom im Draht

In Myas Stehlampenkabel sind es keine Holundermarkkugeln, sondern freie Elektronen, die sich bewegen. Und zwar unglaublich viele: Bei 1 A fließen 6,24 Trillionen Elektronen pro Sekunde durch jeden Querschnitt. Lumi soll mitzählen. Aber wie schnell sind die Elektronen eigentlich? Mya wettet: „Meine Weinbergschnecke Schnecki ist schneller!“ Die Elektronen wandern mit der Driftgeschwindigkeit v = I / (n · e · A) Profi, wobei n die Anzahl freier Elektronen pro Kubikmeter ist.

Stromstärke I–
Elektronen pro s–
Driftgeschw. v–
Zeit für 2 m–
Rennuhr–
Myas Kabel
1,0 A
Rennen über 2 m

Wenn die Elektronen so lahm sind: Warum geht das Licht trotzdem sofort an, wenn Mya auf den Schalter drückt? Probier den Lichtschalter aus.

Station 5: Rechne selbst

mN

Tipps

  • Coulomb: F = k · Q1 · Q2 / r² mit k = 8,99 · 109 N·m²/C². r in Metern!
  • Umgestellt: r = √(k Q1 Q2 / F), bei gleichen Ladungen Q = r · √(F / k).
  • Stromstärke: I = Q / t, 1 A = 1 C/s. Elektronenzahl: N = Q / e.
  • Vorsilben: n = 10−9, µ = 10−6, m = 10−3; 1 mm² = 10−6 m².
  • Profi v = I / (n · e · A).
Merke – elektrische Ladung und Strom:
  • Zwei Sorten Ladung: positiv und negativ. Gleichnamige Ladungen stoßen sich ab, ungleichnamige ziehen sich an. Ungeladene Körper (wie Lumi) spüren keine Kraft, leitfähige ungeladene Körper werden aber durch Influenz von geladenen angezogen.
  • Ladungstrennung: Beim Reiben wird keine Ladung erzeugt, es wandern nur Elektronen von einem Körper zum anderen. Elektronenüberschuss → negativ, Elektronenmangel → positiv. Die Gesamtladung bleibt erhalten (Ladungserhaltung).
  • Elementarladung: Jede Ladung ist ein ganzzahliges Vielfaches von e = 1,602 · 10−19 C (Ladung ist gequantelt). Ein Elektron trägt −e, ein Proton +e.
  • Leiter und Isolatoren: In Leitern (Metalle, Graphit, Menschen, feuchte Erde) können sich Ladungen frei bewegen, in Isolatoren (Kunststoff, Glas, Styropor) nicht. Wer einen geladenen Leiter mit der Hand berührt, erdet ihn.
  • Coulomb'sches Gesetz: F = k · Q1 · Q2 / r² = 1/(4πε0) · Q1 · Q2 / r² mit ε0 = 8,854 · 10−12 C²/(N·m²). Es gilt für Punktladungen und geladene Kugeln (r = Abstand der Mittelpunkte). Doppelter Abstand → ein Viertel der Kraft, doppelte Ladung → doppelte Kraft. Die Kräfte auf beide Körper sind gleich groß und entgegengesetzt.
  • Elektrischer Strom ist die gerichtete Bewegung von Ladungsträgern (in Metallen: Elektronen, in Flüssigkeiten und Gasen auch Ionen). Die technische Stromrichtung zeigt außerhalb der Quelle von + nach −, die Elektronen bewegen sich genau andersherum.
  • Stromstärke: I = ΔQ / Δt, Einheit 1 A (Ampere) = 1 C/s. Für konstanten Strom gilt Q = I · t. Man misst sie mit einem Strommesser, der in Reihe geschaltet wird.
  • Profi Im Draht ist I = n · e · A · v. Die Elektronen kriechen nur mit Bruchteilen eines Millimeters pro Sekunde, das Signal (das elektrische Feld) breitet sich aber fast mit Lichtgeschwindigkeit aus. Darum geht die Lampe sofort an.

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